PolivisMethodik

Methodik

Wie ein Dossier entsteht

Diese Seite erklärt offen, wie wir Gesetze aufbereiten, wo wir KI einsetzen und wo ihre Grenzen liegen. Vertrauen entsteht durch Nachvollziehbarkeit — nicht durch das Versprechen, unfehlbar zu sein.

So entsteht ein Dossier

Der wichtigste Grundsatz lautet: erst die Quellen, dann der Text. Wir stützen jedes Dossier auf amtliche Originaldokumente — Gesetzentwürfe, Bundestags-Drucksachen, Plenarprotokolle, die Verkündung im Bundesgesetzblatt oder, bei EU-Recht, die Texte aus EUR-Lex. Medienberichte nutzen wir nur zur Einordnung, nie als Beleg für Tatsachen.

Bei Pro und Contra gilt unsere Diversitätsregel: Gegensätzliche Lager kommen nebeneinander zu Wort — etwa Arbeitgeber und Gewerkschaften, Wirtschaftsverbände und zivilgesellschaftliche Organisationen. Zu jedem Argument nennen wir, von wem es stammt, worauf es sich stützt und wie stark es belegt ist — samt dem stärksten Gegenargument.

Konkret entsteht ein Dossier in dieser Reihenfolge:

  1. Gesetz oder Vorhaben auswählen.
  2. Quellen sammeln — amtliche Originaldokumente zuerst.
  3. „Was steht wirklich drin?“ als Faktenfundament entwerfen.
  4. Vorher/Nachher je Regelungsbereich gegenüberstellen.
  5. Betroffene Gruppen und Auswirkungen ableiten — nur, soweit durch Quellen oder nachvollziehbare Logik gedeckt.
  6. Den zeitlichen Verlauf aus den Verfahrensdaten aufbauen.
  7. Pro und Contra mit Diversitätsregel zusammenstellen (Akteur, Quelle, Belegstärke, Gegenargument).
  8. Aussagen klassifizieren und nach sicher / unklar / umstritten einordnen.
  9. FAQ und „Was kann ich tun?“ schreiben, dann ein Einfache-Sprache-Durchgang.
  10. Selbst-Check gegen diese Methodik — und ganz zuletzt die 60-Sekunden-Kurzfassung.

Vom Entwurf zur Veröffentlichung

Kein Dossier geht ungeprüft online. Der Weg von der Idee bis zur Veröffentlichung läuft so:

  1. KI-Entwurfaus den gesammelten Originalquellen (siehe oben).
  2. Menschliche Sichtunganhand einer festen Checkliste: Ist jede Kernaussage mit einer Quelle belegt? Stimmt die Diversitätsregel bei Pro und Contra? Ist es verständlich? Stecken versteckte Wertungen in den Formulierungen?
  3. Freigabe und Veröffentlichung— mit deutlicher KI-Kennzeichnung am Dossier.
  4. Aktualisierungwenn sich das Gesetzgebungsverfahren bewegt, damit kein veralteter Stand stehen bleibt.

Wichtig und ehrlich: Diese Sichtung prüft auf Verständlichkeit und grobe Plausibilität — sie ersetzt keine fachjuristische Begutachtung (siehe nächster Abschnitt).

Wie wir KI einsetzen — und wo ihre Grenzen liegen

Die Entwürfe für ein Dossier werden KI-gestützt aus den verlinkten Originalquellen erstellt. Das machen wir transparent: Jedes betroffene Dossier trägt oben einen deutlichen Hinweis, dass es KI-gestützt entstanden ist.

Genauso ehrlich ist die Kehrseite: Menschliches Gegenlesen ist noch keine fachjuristische Begutachtung. Die Dossiers werden auf Verständlichkeit und grobe Plausibilität durchgesehen, aber es steht keine juristische Fachprüfung dahinter.

Was das für die Verlässlichkeit bedeutet: KI kann Quellen falsch zusammenfassen, Feinheiten übersehen oder Dinge behaupten, die so nicht in der Quelle stehen. Deshalb ist bei uns jede wichtige Aussage mit ihrer Quelle verlinkt — im Zweifel zählt die Quelle, nicht unser Text. Mit wachsenden Mitteln ist menschliche Fachprüfung der nächste Schritt; bis dahin benennen wir den Stand offen, statt ihn zu beschönigen.

Unsere Klassifizierung

Nicht jede Aussage ist gleich belastbar. Damit du das auf einen Blick erkennst, kennzeichnen wir bewertende Sätze mit einem Label:

  • Fakt· Sicherheit hochEine überprüfbare Tatsache, die direkt aus einer Quelle hervorgeht. „Das Gesetz tritt am 1. August 2026 in Kraft.“
  • Prognose· Sicherheit mittelEine Erwartung über die Zukunft — sie kann eintreten oder nicht. „Die Regelung dürfte vor allem kleinere Unternehmen treffen.“
  • MeinungEine Wertung eines Akteurs. Wir geben sie wieder, machen sie aber als Position kenntlich. „Der Verband hält die Frist für zu kurz.“
  • UmstrittenHier widersprechen sich Quellen oder Fachleute. Wir zeigen den Streit, statt eine Seite zu wählen. „Ob die Maßnahme ihr Ziel erreicht, ist zwischen Sachverständigen strittig.“
  • UnklarEine offene Frage, zu der die Quellen (noch) keine belastbare Antwort geben. „Die Höhe der Verwaltungskosten ist noch nicht beziffert.“

Zusätzlich geben manche Labels eine Sicherheit an — als grobe Stufe (hoch, mittel, niedrig), nie als Prozentzahl. Eine Prozentangabe würde eine Genauigkeit vortäuschen, die es bei der Einordnung politischer Sachverhalte nicht gibt.

Unsere Leitplanken

Wir orientieren uns am Beutelsbacher Konsens, dem Grundkonsens politischer Bildung — in drei einfachen Sätzen:

  • Wir drängen dir keine Meinung auf.

    Du sollst dir dein eigenes Urteil bilden, nicht unseres übernehmen.

  • Was strittig ist, zeigen wir als strittig.

    Worüber in Politik und Wissenschaft gestritten wird, glätten wir nicht zu einer scheinbaren Wahrheit.

  • Wir helfen dir, deine eigene Lage zu erkennen.

    Ein Dossier zeigt, was ein Gesetz konkret für dich und andere bedeuten kann.

Und was wir bewusst nicht tun:

  • keine Wahlempfehlungen,
  • kein Stimmungsbarometer und keine Abstimmungen über „gut“ oder „schlecht“,
  • keine politische Werbung und keine Spendenaufrufe für Parteien.

Fehler & Korrekturen

Wir machen Fehler — und Leserhinweise sind unser wichtigstes Korrektiv. Jedes Dossier hat unten einen Bereich „Fehler melden“, über den du uns per E-Mail auf etwas Falsches, Veraltetes oder Unklares hinweisen kannst.

Korrekturen nehmen wir nicht stillschweigend vor: Jedes Dossier hat einen sichtbaren Korrektur-Bereich, in dem wir wesentliche Änderungen mit Datum dokumentieren. Wir unterscheiden dort zwei Fälle: eine Aktualisierung heißt, das Gesetz oder das Verfahren hat sich geändert; eine Korrektur heißt, wir hatten etwas falsch. Rein sprachliche Änderungen vermerken wir nicht — sonst geht das Wesentliche im Rauschen unter.

Wer durch eine Darstellung betroffen ist, kann eine Gegendarstellung verlangen; den Kontaktweg dafür nennen wir im Impressum (folgt).

Woran wir gerade arbeiten

Damit du weißt, woran du bist, hier offen der Stand und was als Nächstes kommt:

  • Menschliche Fachprüfung der Dossiers — der wichtigste nächste Schritt, sobald die Mittel dafür da sind.
  • Mehr Dossiers zu weiteren Gesetzen — wir arbeiten die Themenfelder Schritt für Schritt durch.
  • Automatischer Verfahrens-Abgleich mit dem Informationssystem des Bundestags (DIP), damit Dossiers nicht veralten.
  • Impressum & Datenschutz sowie weitere rechtliche Pflichtangaben.

Was heute schon steht und was noch fehlt, halten wir bewusst sichtbar — offen zu sagen, woran man arbeitet, gehört für uns zur Ehrlichkeit dazu.