Gesetz zur Modernisierung des Wehrdienstes (Wehrdienst-Modernisierungsgesetz – WDModG)
Pflicht-Fragebogen für junge Männer gilt seit 2026; ein echter Pflichtdienst wäre aber erst nach einem neuen Gesetz des Bundestags möglich.
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- Worum geht es?
- Das Gesetz baut die Wehrerfassung wieder auf und macht daraus ein neues System aus Datenerfassung, Bereitschaftserklärung, Musterung und freiwilligem Wehrdienst. Es soll der Bundeswehr helfen, mehr Personal zu gewinnen und den künftigen Bedarf besser zu planen.
- Wichtigste Änderung
- Neu ist vor allem der verpflichtende Online- oder Schrift-Fragebogen für wehrpflichtige Männer des Geburtsjahrgangs 2008 und jünger. Gleichzeitig bleibt der eigentliche Dienst außerhalb von Spannungs- und Verteidigungsfall zunächst freiwillig; für eine spätere Bedarfswehrpflicht wäre ein weiteres Gesetz nötig.
- Wer ist betroffen?
- Direkt betroffen sind vor allem junge Männer mit deutscher Staatsangehörigkeit, ihre Familien sowie die Bundeswehrverwaltung. Frauen und Personen anderen Geschlechts können mitmachen, sind nach der geltenden Rechtslage aber nicht zum Fragebogen oder zur Musterung verpflichtet.
Die Zusammenfassung
Das WDModG ist kein Gesetz zur sofortigen Wiedereinführung eines allgemeinen Pflichtdienstes, sondern ein Gesetz zur Reaktivierung von Wehrerfassung, Bereitschaftserklärung und Musterung sowie zur Neuordnung eines attraktiver gestalteten freiwilligen Wehrdienstes. Schon der Gesetzentwurf und die Ausschussfassung stellen ausdrücklich auf ein zunächst freiwilliges Modell ab. [1][3][22]
Für wehrpflichtige Männer wird die Abgabe der Bereitschaftserklärung verpflichtend. Diese Erklärung kann online oder schriftlich abgegeben werden und enthält Angaben etwa zu Personendaten, Interesse am Dienst, Größe, Gewicht, Schwerbehinderung, Qualifikationen und eigener Einschätzung der Leistungsfähigkeit. [13][14]
Der eigentliche Dienst bleibt außerhalb von Spannungs- und Verteidigungsfall zunächst freiwillig. Wenn sich später zeigen sollte, dass der Personalbedarf mit Freiwilligen nicht zu decken ist, sieht die Ausschussfassung keinen Automatismus vor, sondern ein neues Gesetz des Bundestags über eine sogenannte Bedarfswehrpflicht. [3][22]
Frauen und Personen anderen Geschlechts sind nach der geltenden Verfassungs- und Gesetzeslage nicht zum Fragebogen verpflichtet; für sie bleiben die Schritte freiwillig. Das BMVg begründet das mit Artikel 12a Grundgesetz und weist darauf hin, dass eine Verpflichtung von Frauen eine Grundgesetzänderung erfordern würde. [18][22]
Politisch ist das Gesetz stark umstritten. Union und SPD begründeten ihre Zustimmung mit Bedrohungslage, Personalaufwuchs und parlamentarischer Steuerung; AfD, Grüne und Linke lehnten es aus sehr unterschiedlichen Gründen ab — die AfD hielt es für zu schwach und zu monetär, die Grünen für sicherheitspolitisch zu eng und die Linke für einen Einstieg in neue Zwangselemente. [5][7]
Zeitlicher Verlauf
Erste Beratung im Bundestag [7]
Der Bundestag beriet den Entwurf erstmals und überwies ihn an den Verteidigungsausschuss sowie weitere mitberatende Ausschüsse.
Bundesrat-Stellungnahme und Gegenäußerung [2]
Die Stellungnahme des Bundesrates und die Gegenäußerung der Bundesregierung wurden als BT-Drucksache 21/2581 in das Verfahren eingebracht.
Ausschussbericht und geänderte Beschlussempfehlung [3]
Der Verteidigungsausschuss legte mit BT-Drucksache 21/3076 die geänderte Fassung vor. Besonders wichtig: Aus dem ursprünglich vorgesehenen Rechtsverordnungsmechanismus wurde eine spätere Bedarfswehrpflicht nur durch neues Gesetz des Bundestags.
Verkündung im Bundesgesetzblatt [12]
Das WDModG wurde als BGBl. 2025 I Nr. 370 verkündet.
Was steht wirklich drin?
Verpflichtende Bereitschaftserklärung für wehrpflichtige Männer [14]
Erfasste wehrpflichtige Männer müssen auf Aufforderung eine Erklärung zu Bereitschaft und Fähigkeit zum Wehrdienst abgeben. Das ist der rechtliche Kern der „Fragebogenpflicht“ (WPflG § 15a Abs. 1 und 2).
Inhalt des Fragebogens [14]
Abgefragt werden unter anderem Personendaten, Interesse am Dienst, Größe und Gewicht, Schwerbehinderung oder Gleichstellung, Bildungsabschlüsse, weitere Qualifikationen, eigene Einschätzung der körperlichen Leistungsfähigkeit und Wehrdienst in fremden Streitkräften (WPflG § 15a Abs. 1 Nr. 1 bis 7).
Online oder schriftlich, mit Sanktionsmöglichkeit [14][16]
Die Bereitschaftserklärung kann online oder schriftlich abgegeben werden. Wer die Erklärung auf Aufforderung nicht richtig, nicht vollständig oder trotz erneuter vollziehbarer Aufforderung nicht abgibt, handelt ordnungswidrig; das Gesetz sieht Geldbußen vor (WPflG § 15a Abs. 2 bis 5; § 45 Abs. 1 Nr. 1 und 2, Abs. 2).
Musterung als eigener Schritt [15][22]
Die Musterung ist rechtlich etwas anderes als der Fragebogen. Sie dient der Feststellung der Tauglichkeit und umfasst ärztliche Untersuchungen; der Fragebogen bereitet sie vor, ersetzt sie aber nicht (WPflG § 17 Abs. 3 und 4).
Kein Automatismus zur Dienstpflicht [3][13][22]
Das Gesetz führt außerhalb von Spannungs- und Verteidigungsfall keinen automatischen Pflichtdienst ein. Wenn Freiwillige später nicht reichen, müsste der Bundestag die Bedarfswehrpflicht erst durch ein weiteres Gesetz beschließen (WPflG § 2a; Ausschussbegründung).
Frauen und andere Geschlechter bleiben freiwillig [17][18][22]
Für Frauen und Personen anderen Geschlechts bleiben Fragebogen, Musterung und Dienst nach der aktuellen Rechtslage freiwillig. Das BMVg verweist darauf, dass eine Pflicht für Frauen eine Grundgesetzänderung erfordern würde (GG Art. 12a; SG § 58i; BMVg-FAQ).
Freiwilliger Wehrdienst wird neu zugeschnitten [3][17][22]
Der freiwillige Wehrdienst als besonderes staatsbürgerliches Engagement bleibt erhalten, wird aber neu gefasst. Er kann künftig für sechs bis elf Monate geleistet werden; die ersten sechs Monate sind Probezeit. Ab einem Jahr ist eine Verpflichtung als Soldatin oder Soldat auf Zeit möglich (SG § 58b; Ausschussbegründung).
Attraktivitätsanreize [3][22]
Für freiwillig Dienende wurden Sold und Zuschüsse verbessert. Genannt werden mindestens 2.600 Euro brutto Wehrsold sowie Führerscheinzuschüsse bis zu 3.500 Euro für Klasse B und bis zu 5.000 Euro für Klasse C oder C1 unter den gesetzlichen Voraussetzungen (SG §§ 31b, 31c; Wehrsoldgesetz-Begründung).
Gesetzliche Personalziele und Berichtspflicht [3]
Das Gesetz verankert einen Aufwuchspfad bis 2035 und eine halbjährliche Berichtspflicht des Verteidigungsministeriums an den Bundestag (SG §§ 91, 91a).
Vorher / Nachher
Wehrerfassung [1][13][14]
Seit der Aussetzung der Einberufung 2011 bestand kein neu aufgebautes, flächendeckendes System der modernen Wehrerfassung mit verpflichtender Bereitschaftserklärung für neue Jahrgänge.
Das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr darf wieder Meldedaten für Zwecke der Wehrerfassung abrufen; darauf baut die spätere Bereitschaftserklärung auf.
Fragebogenpflicht [1][14][16]
Für volljährig werdende Männer gab es keine gesetzliche Pflicht, einen solchen standardisierten Wehrdienst-Fragebogen auszufüllen.
Für erfasste wehrpflichtige Männer ist die Bereitschaftserklärung auf Aufforderung verpflichtend; falsche oder fehlende Antworten können bußgeldbewehrt sein.
Frauen und andere Geschlechter [1][17][18][22]
Ein Dienst in der Bundeswehr war freiwillig möglich, aber es gab kein neues gesondertes System einer freiwilligen Bereitschaftserklärung im WDModG-Zuschnitt.
Frauen und Personen anderen Geschlechts können den Fragebogen freiwillig ausfüllen und Wehrdienst leisten; eine Pflicht besteht nicht.
Aktivierung eines Pflichtdienstes [3][18][22]
Die Wehrpflicht war im Grundgesetz verankert, die verpflichtende Einberufung aber ausgesetzt.
Das WDModG selbst ordnet keinen automatischen Pflichtdienst an; für eine Bedarfswehrpflicht braucht es ein neues Bundestagsgesetz.
Freiwilliger Wehrdienst [1][3][17]
Der freiwillige Wehrdienst nach § 58b SG war anders zugeschnitten und reichte in der alten Fassung bis zu 23 Monate.
Der freiwillige Wehrdienst als besonderes staatsbürgerliches Engagement bleibt erhalten, dauert nun sechs bis elf Monate; längere Verpflichtung läuft über SaZ-Modelle.
Gesetzliche Personalziele [3]
Es gab keinen gesetzlichen Aufwuchspfad bis 2035 mit Zielkorridoren und halbjährlicher Berichtspflicht im SG.
Das Gesetz nennt Zielkorridore bis 2035 für aktive Soldatinnen und Soldaten sowie Reservistinnen und Reservisten und verpflichtet das BMVg zu halbjährlichen Berichten.
Auswirkungen
Direkte Folgen
- Männliche deutsche Staatsangehörige des Geburtsjahrgangs 2008 und jünger müssen im Rahmen der Wehrerfassung auf Aufforderung eine Bereitschaftserklärung abgeben; das ist eine echte gesetzliche Mitwirkungspflicht. [13][14][22]
- Wer auf eine vollziehbare erneute Aufforderung nicht reagiert oder die Erklärung falsch bzw. unvollständig abgibt, riskiert ein Ordnungswidrigkeitenverfahren und Geldbußen. [16]
Wahrscheinliche Folgen
Umstrittene Folgen
Betroffene Gruppen
Junge wehrpflichtige Männer mit deutscher Staatsangehörigkeit, geboren ab 2008
stark betroffenSie sind die Hauptadressaten der Wehrerfassung, der verpflichtenden Bereitschaftserklärung und der künftigen Musterung. Für sie ist die Pflicht konkret und individuell wirksam. [13][14][22]
Frauen und Personen anderen Geschlechts, die sich freiwillig interessieren
mittel betroffenFür sie entstehen neue freiwillige Zugänge und Informationswege; eine gesetzliche Pflicht gibt es nach der aktuellen Rechtslage nicht. [17][18][22]
Eltern und Familien junger Jahrgänge
mittel betroffenFamilien sind praktisch betroffen, weil Fragebogen, mögliche Musterung, Fristen und spätere Dienstentscheidungen Planung, Ausbildung und Wohnortfragen berühren können. [3][22][26][27]
Bundeswehrverwaltung, besonders BAPersBw und Karrierecenter
stark betroffenDiese Stellen müssen Datenerfassung, Anschreiben, Auswertung, Beratung, Musterung und spätere Personalbearbeitung praktisch stemmen. Dafür nennt der Gesetzentwurf eigenen Erfüllungsaufwand. [4][13][23]
Arbeitgeber, Ausbildungsbetriebe und Bildungseinrichtungen
mittel betroffenKurzfristig ist der Effekt begrenzt, weil der Dienst zunächst freiwillig bleibt. Langfristig können mehr Wehrdienstzeiten oder spätere Pflichtmodelle Bildungs- und Arbeitsverläufe beeinflussen; ökonomische Studien warnen vor relevanten Kosten bei stärkerem Pflichteinsatz. [30][31]
Zivilschutz- und Freiwilligendienst-Träger
mittel betroffenSie sind mittelbar betroffen, weil ein Teil der Kritik gerade fordert, militärische Personalpolitik stärker mit zivilen Freiwilligendiensten und Zivilschutz zu verzahnen. [5][26][28]
Allgemeine Bürgerinnen und Bürger
wenig betroffenWer nicht in den angesprochenen Jahrgängen ist, hat meist keine unmittelbare Pflicht. Politisch berührt das Gesetz aber Fragen von Sicherheit, Wehrgerechtigkeit, Freiheitsrechten und Staatsverständnis. [5][7][23]
Pro & Contra
Dafür
Das Gesetz ist ein notwendiger erster Schritt, um auf die verschärfte Sicherheitslage und den Personalbedarf der Bundeswehr zu reagieren. [5][7]
Position von: Regierung / CDU/CSU / SPD · mittel belegt
Gegenargument: Kritiker halten entgegen, dass ein erster Schritt ohne klares Gesamtmodell für Zivilschutz, Personalbedarf und Wehrgerechtigkeit zu klein ausfalle.
Ein attraktiver freiwilliger Wehrdienst mit besserem Sold und Führerscheinzuschüssen kann mehr junge Leute gewinnen, ohne sofort eine Pflicht einzuführen. [3][22][23]
Position von: Regierung / SPD / BMVg · mittel belegt
Gegenargument: Mehrere Sachverständige bezweifelten, dass Geld und Werbung allein ausreichen, um die Zielgrößen zu erfüllen.
Eine spätere Bedarfswehrpflicht nur per neuem Gesetz ist demokratisch zurückhaltender als ein Automatismus per Verordnung. [3][5][7]
Position von: Ausschussmehrheit / Koalition · stark belegt
Gegenargument: Gegner sehen schon Fragebogenpflicht und Musterung als echte Zwangselemente und damit als politischen Einstieg in mehr Pflicht.
Dagegen
Das Gesetz denkt Gesamtverteidigung zu eng militärisch und vernachlässigt Zivilschutz, zivile Kompetenzen und generationenübergreifende Resilienz. [5][7]
Position von: Opposition Bündnis 90/Die Grünen · mittel belegt
Gegenargument: Die Koalition hält dagegen, das Gesetz solle zuerst die akute personelle Lücke der Streitkräfte adressieren und sei nicht das gesamte Krisenvorsorgepaket.
„Freiwilligkeit“ sei irreführend, weil für junge Männer bereits Pflicht-Fragebogen, Musterung und Bußgeldandrohung gelten. [7][16][28]
Position von: Die Linke / Friedensverbände / Betroffenenvertretungen · stark belegt
Gegenargument: Regierung und SPD entgegnen, dass diese Pflichten nur der Erfassung und Tauglichkeitsfeststellung dienen und noch keine Pflicht zum Dienst auslösen.
Wirtschaftlich und bildungsbezogen können stärkere Pflichtmodelle teuer werden und Erwerbs- sowie Bildungsbiografien belasten; Attraktivität kann effizienter sein als Zwang. [30][31]
Position von: Wissenschaft / ökonomische Forschung · stark belegt
Gegenargument: Befürworter erwidern, dass Sicherheitsvorsorge nicht allein nach kurzfristigen Arbeitsmarkt- oder Effizienzmaßstäben bewertet werden könne.
Junge Menschen seien im Gesetzgebungsprozess nicht ausreichend beteiligt worden; der Staat lade die Last vor allem bei einer ohnehin stark belasteten Generation ab. [26][27]
Position von: Deutscher Bundesjugendring / Bundesschülerkonferenz · mittel belegt
Gegenargument: Befürworter sagen, dass Sicherheitspolitik nicht warten könne und die direkte Ansprache junger Menschen selbst schon Beteiligung und Information stärke.
Abstimmungsergebnis
Deutscher Bundestag, 05.12.2025 · Namentliche Abstimmung [5][6]
Fraktionsstärke und Mehrheitsrichtung
- CDU/CSU208Dafür
- SPD120Dafür
- AfD151Dagegen
- B90/Grüne85Dagegen
- Die Linke64Dagegen
Zwei getrennte Größen: oben das amtliche Abstimmungsergebnis, darunter die Fraktionsstärke mit der Mehrheitsrichtung der jeweiligen Fraktion. Die Summen unterscheiden sich, weil nicht alle Abgeordneten teilnahmen und einzelne von ihrer Fraktion abwichen; die Einzelstimmen stehen in den verlinkten Quellen.
Stimmbegründungen
- CDU/CSUDafür
Zustimmung als sicherheitspolitisch notwendiger erster Schritt.
- Laut Quelle begründete die Union ihre Zustimmung mit der Bedrohungslage durch Russlands Krieg gegen die Ukraine und dem Bedarf an mehr Soldatinnen und Soldaten. [7]
- Laut Quelle hob sie hervor, dass das Gesetz gesetzliche Zielkorridore und mehr parlamentarische Verbindlichkeit schaffe. [3][7]
- Laut Quelle soll zunächst auf Freiwilligkeit gesetzt werden; falls das nicht reicht, müsse das Thema erneut ins Parlament zurückkommen. [7]
Es liegt keine amtliche Sammel-Stimmbegründung der gesamten Fraktion vor; erfasst ist die laut amtlichem Protokoll zentrale Debattenbegründung.
- SPDDafür
Zustimmung, weil das Gesetz Freiwilligkeit mit Attraktivitätsanreizen und parlamentarischer Kontrolle verbinde.
- Laut Quelle wies die SPD den Vorwurf eines unmittelbaren Zwangsdienstes zurück und betonte, dass das Gesetz zunächst auf Freiwilligkeit setze. [5][7]
- Laut Quelle seien höherer Sold und Führerscheinzuschüsse bewusst als Anreiz gedacht, um genügend Freiwillige zu gewinnen. [5][22]
- Laut Quelle bleibe der Bundestag Herr des Verfahrens, weil eine spätere Bedarfswehrpflicht nur in einem neuen Gesetz beschlossen werden könne. [5][3]
Die Fraktion stimmte mehrheitlich zu; eine SPD-Abgeordnete votierte laut offizieller Auswertung mit Nein.
- AfDDagegen
Ablehnung, weil das Gesetz aus ihrer Sicht das Personalproblem falsch angehe und zu stark auf Geldanreize setze.
- Laut Quelle kritisierte die AfD, der Kern des Gesetzes steigere nur die Attraktivität des Freiwilligendienstes, packe das Problem aber nicht an der Wurzel. [5][7]
- Laut Quelle lehnt sie die starke Orientierung an höherem Sold als falschen Anreiz ab. [5][7]
- In der Anhörung trugen von der AfD benannte Sachverständige zusätzlich vor, Freiwilligkeit werde nicht ausreichen; aus diesem Lager kam also Kritik eher wegen zu wenig Pflicht als wegen zu viel Pflicht. [23][24]
Die AfD-Ablehnung richtet sich laut Quellen nicht gegen Wehrpflicht an sich, sondern gegen die konkrete Konstruktion des Gesetzes.
- B90/GrüneDagegen
Ablehnung, weil das Gesetz nach ihrer Darstellung keine überzeugende Antwort für umfassende Gesamtverteidigung liefert.
- Laut Quelle argumentierten die Grünen, das Gesetz gebe keine ausreichende Antwort auf die sicherheitspolitischen Anforderungen. [5][7]
- Laut Quelle kritisierten sie, dass Zivilschutz und zivile Verteidigung nicht systematisch mitgedacht würden. [5][7]
- Laut Quelle beanstandeten sie, dass nur 18-jährige Männer verpflichtet würden und keine systematische Abfrage der Kompetenzen aller Generationen und Geschlechter stattfinde. [5][7]
Eine Abgeordnete der Grünen enthielt sich; die Fraktion votierte überwiegend dagegen.
- Die LinkeDagegen
Ablehnung, weil das Gesetz aus ihrer Sicht bereits neue Zwangselemente schafft und eine spätere Wehrpflicht vorbereitet.
- Laut Quelle lehnte Die Linke Wehrpflicht, Bedarfswehrpflicht und schon deren Vorbereitung im WDModG ab. [5][7]
- Laut Quelle bezeichnete sie Fragebogenpflicht und Musterung als Zwang und daher als unvereinbar mit der behaupteten Freiwilligkeit. [5][7]
- Laut Quelle kritisierte sie, der Personalbedarf der Bundeswehr werde nicht nachvollziehbar erklärt. [7][23]
Die Linke begründete ihre Ablehnung ausdrücklich grundsätzlicher als die Grünen und anders als die AfD.
Häufige Fragen
Gilt das schon für mich?
Wenn du ein wehrpflichtiger Mann mit deutscher Staatsangehörigkeit bist und zum Geburtsjahrgang 2008 oder jünger gehörst, kann dich das neue System bereits betreffen. Maßgeblich ist dann eine konkrete Aufforderung zur Bereitschaftserklärung. [13][14][22]
Muss ich als Mann jetzt automatisch Wehrdienst leisten?
Nein. Das WDModG schafft zunächst Pflicht zur Erfassung und zum Fragebogen, nicht automatisch zur Dienstleistung. Ein echter Pflichtdienst außerhalb von Spannungs- und Verteidigungsfall würde ein weiteres Gesetz des Bundestags brauchen. [3][22]
Müssen Frauen den Fragebogen ausfüllen?
Nein. Nach aktueller Rechtslage nicht. Frauen und Personen anderen Geschlechts können den Fragebogen freiwillig ausfüllen oder sich freiwillig melden, sind aber nicht verpflichtet. [18][22]
Was passiert, wenn ich den Fragebogen ignoriere?
Das Gesetz sieht bei falschen, unvollständigen oder trotz vollziehbarer erneuter Aufforderung nicht abgegebenen Erklärungen eine Ordnungswidrigkeit vor. Über die Höhe einer möglichen Geldbuße sagt der Gesetzestext an dieser Stelle nichts Näheres, nur dass Geldbußen möglich sind. [16]
Kann ich den Kriegsdienst aus Gewissensgründen verweigern?
Ja. Das Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung bleibt bestehen. Anerkannte Kriegsdienstverweigerer leisten im Spannungs- oder Verteidigungsfall statt Wehrdienst Zivildienst. [19][20][21]
Habe ich schon wegen des Fragebogens einen Wehrpass oder eine Einberufung?
Nein. Der Fragebogen dient erst einmal der Erfassung von Bereitschaft und Eignung. Er ist noch keine Einberufung zum Dienst. [14][15][22]
Betrifft mich das auch bei doppelter Staatsbürgerschaft oder Wohnsitz im Ausland?
Nach BMVg-Angaben ist für die Ansprache entscheidend, dass die deutsche Staatsangehörigkeit vorhanden ist. Für die Zeit eines Auslandsaufenthalts soll die Erfassung nach BMVg-Angaben nicht greifen; bei Rückkehr ins Inland wieder schon. [22]
Was ist noch offen?
Offen bleibt vor allem, ob Freiwillige ausreichen, wie schnell die Musterungskapazitäten wachsen und ob der Bundestag später überhaupt einmal ein weiteres Gesetz für eine Bedarfswehrpflicht beschließen würde. Genau darüber streiten Regierung, Opposition und Sachverständige. [3][22][23][24][31]
Quellen
- [1]Entwurf eines Gesetzes zur Modernisierung des Wehrdienstes (Wehrdienst-Modernisierungsgesetz – WDModG), BT-Drs. 21/1853 — Deutscher Bundestag / Bundesregierung, Begründung insb. S. 1-3, 59 ff., 67 ff. ↩
- [2]Stellungnahme des Bundesrates und Gegenäußerung der Bundesregierung zum WDModG, BT-Drs. 21/2581 — Deutscher Bundestag, BT-Drs. 21/2581 ↩
- [3]Beschlussempfehlung und Bericht des Verteidigungsausschusses zum WDModG, BT-Drs. 21/3076 — Deutscher Bundestag, insb. S. 10-16, 30-36, 90-96 ↩
- [4]Bericht gemäß § 96 GO-BT zum WDModG, BT-Drs. 21/3077 — Deutscher Bundestag, BT-Drs. 21/3077 ↩
- [5]Namentliche Abstimmung zum Gesetzentwurf zur Modernisierung des Wehrdienstes — Deutscher Bundestag, Abstimmungsergebnis und Debattenzusammenfassung ↩
- [6]Endgültiges Ergebnis der Namentlichen Abstimmung Nr. 1 zum WDModG — Deutscher Bundestag, Seite 1 ↩
- [7]Plenarprotokoll 21/48 — Deutscher Bundestag, S. 5615 ff., 5710 ff. ↩
- [8]Plenarprotokoll 21/49 — Deutscher Bundestag, Schriftliche Frage zur Musterungspflicht ↩
- [9]Gesetz zur Modernisierung des Wehrdienstes, Bundesrat-Drucksache 731/25 — Bundesrat, BR-Drs. 731/25 ↩
- [10]Beschluss des Bundesrates zum WDModG, BR-Drs. 731/25(B) — Bundesrat, BR-Drs. 731/25(B) ↩
- [11]BundesratKOMPAKT zur 1060. Sitzung — Bundesrat, TOP 23 / 1060. Sitzung ↩
- [12]Gesetz zur Modernisierung des Wehrdienstes im Bundesgesetzblatt — recht.bund.de / Bundesanzeiger, BGBl. 2025 I Nr. 370, Verkündungseintrag ↩
- [13]Wehrpflichtgesetz, aktuelle konsolidierte Fassung — gesetze-im-internet.de, WPflG § 2 ↩
- [14]Wehrpflichtgesetz § 15a Bereitschaftserklärung — gesetze-im-internet.de, WPflG § 15a Abs. 1-5 ↩
- [15]Wehrpflichtgesetz § 17 Durchführung der Musterung — gesetze-im-internet.de, WPflG § 17 Abs. 3-4 ↩
- [16]Wehrpflichtgesetz § 45 Bußgeldvorschriften — gesetze-im-internet.de, WPflG § 45 Abs. 1-3 ↩
- [17]Soldatengesetz in Fassung des WDModG — gesetze-im-internet.de / Deutscher Bundestag, SG §§ 58b, 58i, 91, 91a; Ausschussfassung BT-Drs. 21/3076 S. 30-36 ↩
- [18]Grundgesetz Art. 12a — gesetze-im-internet.de, GG Art. 12a ↩
- [19]Grundgesetz Art. 4 — gesetze-im-internet.de, GG Art. 4 Abs. 3 ↩
- [20]Kriegsdienstverweigerungsgesetz § 1 — gesetze-im-internet.de, KDVG § 1 Abs. 1-2 ↩
- [21]Kriegsdienstverweigerung — BAFzA, FAQ-Teil ↩
- [22]Neuer Wehrdienst für Deutschland — Bundesministerium der Verteidigung, Abschnitte Wehrgerechtigkeit, Ausmusterung & Verweigerung, Konkrete Umsetzung ↩
- [23]Wehrdienst: „Freiwilligkeit wird nicht ausreichen“ — Deutscher Bundestag / hib, hib 1125922 ↩
- [24]Wortprotokoll der öffentlichen Anhörung zum WDModG — Deutscher Bundestag, Verteidigungsausschuss 12. Sitzung, S. 7 ff. ↩
- [25]Stellungnahme des Deutschen BundeswehrVerbandes zum WDModG — Deutscher BundeswehrVerband, Ausschussdrucksache 21(12)236 ↩
- [26]Stellungnahme des Deutschen Bundesjugendrings zum WDModG — Deutscher Bundesjugendring, SG2511270022 ↩
- [27]Stellungnahme der Bundesschülerkonferenz zum WDModG — Bundesschülerkonferenz / Lobbyregister, SG2511200012, Detailseite / PDF-Hinweis ↩
- [28]Stellungnahme von AGDF und EAK zum WDModG — Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden / Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden, SG2511190016 ↩
- [29]BDA-Stellungnahme zum WDModG — Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, BDA 03.11.2025 ↩
- [30]Höhere Wehrdienst-Gehälter besser als Wehrpflicht — ifo Institut, ifo 20.03.2025 ↩
- [31]Neuer Wehrdienst verfehlt ohne Strukturreformen sein Ziel — Institut der deutschen Wirtschaft Köln, IW 14.11.2025 ↩
- [32]DIP-Vorgang zum WDModG — Deutscher Bundestag / DIP, Vorgangsseite, DIP-ID 325558 ↩
Was kann ich tun?
Amtlichen Gesetzestext lesen
Wenn es um Pflichten, Fristen oder Sanktionen geht, ist der verkündete Rechtstext die erste Adresse.
Bürger-FAQ des BMVg nutzen
Für die praktische Einordnung zu Fragebogen, Frauen/Männer-Unterschied, Musterung, Führerscheinzuschuss und KDV ist die offizielle FAQ besonders hilfreich.
Bundestagsdokumente und Debatte prüfen
Wer nachvollziehen will, warum das Gesetz so und nicht anders beschlossen wurde, sollte Gesetzentwurf, Ausschussbericht, Abstimmung und Plenarprotokoll zusammen lesen.
Informationen zur Kriegsdienstverweigerung abrufen
Für Gewissensfragen und das Verfahren der Kriegsdienstverweigerung ist das BAFzA die offizielle Anlaufstelle.
Bundesratsverfahren nachlesen
Das ist sinnvoll, wenn man den letzten Verfahrensschritt und die förmliche Zustimmung der Länder nachvollziehen möchte.
Glossar
- Wehrerfassung
- Der Staat sammelt Grunddaten von Wehrpflichtigen, damit er weiß, wer grundsätzlich für Wehrdienst in Betracht kommt.
- Musterung
- Das ist die Untersuchung und Prüfung, ob jemand körperlich und geistig für Wehrdienst tauglich ist. Der Fragebogen ist nur die Vorbereitung darauf.
- Fragebogenpflicht
- Gemeint ist die Pflicht wehrpflichtiger Männer, die gesetzliche Bereitschaftserklärung abzugeben. Das ist noch keine Pflicht, tatsächlich Dienst zu leisten.
- Freiwilligkeit
- Im WDModG bedeutet das: Der eigentliche Wehrdienst bleibt zunächst freiwillig. Nicht freiwillig ist aber bei betroffenen Männern schon die Mitwirkung an Erfassung und Fragebogen.
- Kriegsdienstverweigerung
- Wer aus Gewissensgründen keinen Dienst an der Waffe leisten will, hat dafür ein Grundrecht. Das Verfahren dazu regelt das KDVG.
- Reserve
- Das sind frühere Soldatinnen und Soldaten oder andere für militärische Aufgaben vorgesehene Personen, die im Bedarfsfall wieder herangezogen werden können.
- Personalbedarf
- Damit ist gemeint, wie viele Menschen die Bundeswehr nach eigener Planung und NATO-Zielen insgesamt braucht. Genau diese Zahl ist politisch und fachlich stark umstritten.
- Bedarfswehrpflicht
- Das ist die im Gesetz angelegte Möglichkeit, später doch Pflichtdienst anzuordnen, wenn Freiwillige nicht reichen. Das ginge aber nur mit einem neuen Gesetz des Bundestags.
Korrekturen & Aktualisierungen
Bisher keine Korrekturen oder Aktualisierungen an diesem Dossier.
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