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PolivisDer quellenbasierte Gesetzes-Kompass

Antrag

Ablehnung eines Antrag gegen eine Übergewinnsteuer (Beschlussempfehlung)

Nicht alle Abstimmungen sind erfasst.Was erfasst ist →

Auf einen Satz

Der Bundestag hat mit 449 Ja-Stimmen gegen 136 Nein-Stimmen die Ablehnung des AfD-Antrags beschlossen, auf eine Übergewinnsteuer zu verzichten; damit wurde keine solche Steuer eingeführt.

Worum es geht

Die AfD wollte die Bundesregierung auffordern, keine neue Sondersteuer auf außergewöhnliche Gewinne von Öl- und Gasunternehmen einzuführen. Deutschland sollte auch auf europäischer Ebene gegen ein entsprechendes Instrument eintreten. Abgestimmt wurde über die Empfehlung des Finanzausschusses, diesen Antrag abzulehnen: Ein Ja bedeutete Zustimmung zur Ablehnung.

Zur Vorlage

Vorlage eingebracht von
AfD
Drucksache
BT-Drs. 21/5326
Datum
24. April 2026
Verfahrensstand
Abgeschlossen
Ergebnis der Abstimmung
Angenommen
Wahlperiode
21. Wahlperiode

Abstimmung vom 24. April 2026

Namentliche Abstimmung
AbstimmungsgegenstandBeschlussempfehlung
Einbringer
AfD
Amtliches Dokument
BT-Drs. 21/5326 ↗

Ein Ja bedeutete Zustimmung zur Empfehlung des Ausschusses, den Antrag abzulehnen.

Amtliches Ergebnis

Ja
449
Nein
136
Enthaltung
0
Nicht abgegeben
45

Hinweis zur AbdeckungDie amtliche Namensliste konnte nicht zugeordnet werden (zwei Listen passen ähnlich gut (0 / 2)). Das Stimmverhalten stützt sich hier auf abgeordnetenwatch.de.

Nach Fraktion

  • CDU/CSU208 Mitglieder in dieser AbstimmungJa 201Nein 0Enthaltung 0Nicht abgegeben 7
  • AfD150 Mitglieder in dieser AbstimmungJa 0Nein 135Enthaltung 0Nicht abgegeben 15
  • SPD120 Mitglieder in dieser AbstimmungJa 113Nein 0Enthaltung 0Nicht abgegeben 7
  • BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN85 Mitglieder in dieser AbstimmungJa 77Nein 0Enthaltung 0Nicht abgegeben 8
  • Die Linke64 Mitglieder in dieser AbstimmungJa 57Nein 0Enthaltung 0Nicht abgegeben 7
  • fraktionslos3 Mitglieder in dieser AbstimmungJa 1Nein 1Enthaltung 0Nicht abgegeben 1

Einzelstimmen

Abweichungen vom Fraktionsvotum

Schwelle: mindestens zwei Drittel (≥ 66,7 %) der abgegebenen Stimmen

Alle Fraktionen mit eindeutiger Mehrheit stimmten geschlossen ab. Es gab keine abweichenden Stimmen innerhalb der Fraktionen.

Nicht abgegeben heißt nur: keine Stimme erfasst – nicht unbedingt abwesend (z. B. Krankheit, Mutterschutz, Sitzungsleitung). Nicht abgegebene Stimmen zählen nicht als Abweichung.

So liest man diese Abstimmung →

Was heute gilt – was sich ändert

Gefordert

Die Bundesregierung sollte auf die Einführung einer nationalen Übergewinnsteuer für Öl- und Gasunternehmen verzichten. [1]

Gefordert

Auch eine speziell auf diesen Wirtschaftszweig zugeschnittene Übergewinnsteuer sollte nicht eingeführt werden. [1]

Gefordert

Deutschland sollte sich auf EU-Ebene dafür einsetzen, dass kein Instrument zur Sonderbesteuerung überhöhter Krisengewinne von Energiekonzernen vorgelegt wird. [1]

Wen es betrifft

Die Forderungen richteten sich an die Bundesregierung und betrafen Öl- und Gasunternehmen sowie die europäische Energiebranche. Den Bezug zu Verbraucherinnen und Verbrauchern stellte der Antrag über die hohen Kraftstoffpreise her; eine konkrete Auszahlung an Haushalte enthielt sein Forderungsteil nicht. [1]

Rechtliche Wirkung

Der Bundestag folgte der Empfehlung, den Antrag abzulehnen; es ändert sich nichts. Der Antrag wurde abgelehnt und ist parlamentarisch abgeschlossen. Es entstand weder eine Verpflichtung, auf eine Übergewinnsteuer zu verzichten, noch eine gesetzliche Grundlage für deren Erhebung. Die Abstimmung betraf eine politische Aufforderung an die Bundesregierung, keinen Gesetzentwurf; ein Gesetzgebungsverfahren mit Bundesrat, Verkündung und Inkrafttreten wurde dadurch nicht ausgelöst. [1][2][3][10]

Anlass

Die Beratung stand im Zusammenhang mit den infolge des Iran-Konflikts gestiegenen Kraftstoffpreisen. Parallel behandelte der Bundestag verschiedene Vorschläge zur Entlastung, darunter die zeitweise Senkung der Energiesteuer und eine Senkung der Stromsteuer.

Wie die Fraktionen ihr Votum begründet haben

Aussprache am 24. April 2026 · Protokoll ↗

AfD·Kay Gottschalk (Abgeordneter, Redner für die Fraktion)·Gottschalk lehnt die Übergewinnsteuer ab und befürchtet, dass sie Unternehmen vom Standort Deutschland fernhält.
„Überbordende Gewinne mit einer Übergewinnsteuer abschöpfen. Meine Damen und Herren, Sie verscheuchen Unternehmen, die wie Shell ohnehin meist im Kanton Zug oder anderen Regionen versteuern. Ich könnte eine Gegenfrage stellen: Warum haben Sie eigentlich BioNTech in der sogenannten Coronakrise nicht mit einer Übergewinnsteuer – bei den staatlichen Mitteln, die dort zugeflossen sind – überzogen?“
PlPr 21/75, S. 8964[5]
CDU/CSU·Fritz Güntzler (Abgeordneter, Redner für die Fraktion)·Güntzler fordert zunächst eine Prüfung, ob eine Übergewinnbesteuerung umsetzbar ist.
„Zweitens will ich darauf hinweisen, dass der Energiekrisenbeitrag der Jahre 2022/2023 angefochten ist beim Bundesfinanzhof und als unionsrechtswidrig und verfassungswidrig gesehen wird. Von daher bitte ich: Gemach, gemach! […] Eine solche Besteuerung ist sehr populär. Aber ob das umsetzbar ist, müssen wir uns ansehen.“
PlPr 21/71, S. 8529[6]
SPD·Dr. Wiebke Esdar (Abgeordnete, Rednerin für die Fraktion)·Esdar fordert, Unternehmen mit Übergewinnen an der Finanzierung der Entlastung zu beteiligen.
„Meine Damen und Herren, wir sagen auch, wer es bezahlen soll. Wir wollen eine Übergewinnsteuer, die denjenigen einen Strich durch die Rechnung macht, die meinen, in der Krise die Menschen abzocken zu können. Wer Übergewinne einstreicht, der wird am Ende dafür zahlen müssen.“
PlPr 21/71, S. 8518[7]
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN·Katharina Beck (Abgeordnete, Rednerin für die Fraktion)·Beck befürwortet eine Übergewinnsteuer als Reaktion auf die von ihr beschriebenen zusätzlichen Gewinne der Mineralölkonzerne.
„Aber wenn man sich die Statistiken anguckt […], dann stellt man fest, dass zum Beispiel beim Dieselpreis der Überschuss von ungefähr 40 Cent pro Liter vor der Krise jetzt auf ungefähr 70 Cent pro Liter angestiegen ist. Das Kartellrecht hat daran nichts geändert. […] Solche Übergewinne gibt es. Deswegen ist eine Übergewinnsteuer eine faire, preisdämpfende Maßnahme.“
PlPr 21/71, S. 8530[8]
Die Linke·Christian Görke (Abgeordneter, Redner für die Fraktion)·Görke will eine Zahlung an die Bevölkerung durch eine Übergewinnsteuer finanzieren.
„Wir brauchen ein Krisenenergiegeld von 150 Euro für alle, finanziert durch eine Übergewinnsteuer. […] Das Bundesverfassungsgericht hat beim Strom die Abschöpfung der Übergewinne und damit die Kriterien in Deutschland bestätigt. Deshalb sagen wir: Die Übergewinnsteuer ist rechtlich sicher, und sie muss jetzt auch schnell kommen.“
PlPr 21/75, S. 8970[9]

Wie es weitergeht

Dieser Antrag wird nicht weiterberaten. Die politische Diskussion über eine Übergewinnsteuer wurde unabhängig davon fortgeführt: In einer Antwort vom Juni 2026 erklärte die Bundesregierung, der Bundesfinanzminister werbe für ein gemeinsames europäisches Vorgehen; die Europäische Kommission habe die Initiative bis dahin nicht aufgegriffen. Daraus ergibt sich kein Beschluss über die Einführung einer Steuer.

Begriffe

Übergewinnsteuer
Gemeint ist hier eine Sondersteuer auf außergewöhnlich hohe Krisengewinne von Unternehmen.
Beschlussempfehlung
Ein Ausschuss schlägt dem Bundestag vor, wie er über eine Vorlage entscheiden soll.
Antrag
Eine parlamentarische Vorlage, mit der hier eine politische Aufforderung an die Bundesregierung beschlossen werden sollte.

Quellen (13)

  1. [1]
  2. [2]
    Beschlussempfehlung und Bericht des Finanzausschusses ↗

    Deutscher Bundestag · Abgerufen am 11.10.2026

  3. [3]
    Plenarprotokoll 21/75, Deutscher Bundestag ↗

    Deutscher Bundestag · Abgerufen am 11.10.2026

  4. [4]
    Plenarprotokoll 21/71, Deutscher Bundestag ↗

    Deutscher Bundestag · Abgerufen am 11.10.2026

  5. [5]
    Rede von Kay Gottschalk ↗

    Deutscher Bundestag · Abgerufen am 11.10.2026

  6. [6]
    Rede von Fritz Güntzler ↗

    Deutscher Bundestag · Abgerufen am 11.10.2026

  7. [7]
    Rede von Dr. Wiebke Esdar ↗

    Deutscher Bundestag · Abgerufen am 11.10.2026

  8. [8]
    Rede von Katharina Beck ↗

    Deutscher Bundestag · Abgerufen am 11.10.2026

  9. [9]
    Rede von Christian Görke ↗

    Deutscher Bundestag · Abgerufen am 11.10.2026

  10. [10]
    Grundgesetz, Artikel 77, Gesetzgebungsverfahren ↗

    Bundesministerium der Justiz / Bundesamt für Justiz · Abgerufen am 11.10.2026

  11. [11]
  12. [12]
    Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages ↗

    Deutscher Bundestag · Abgerufen am 11.10.2026

  13. [13]
    Plenarprotokoll 21/76, Deutscher Bundestag ↗

    Deutscher Bundestag · Abgerufen am 11.10.2026

Belege