Beim ersten Besuch gilt die Geräteeinstellung. Deine Auswahl wird nur auf diesem Gerät gespeichert.
PolivisDer quellenbasierte Gesetzes-Kompass

Antrag

Fortsetzung des Bundeswehreinsatzes KFOR im Kosovo

Nicht alle Abstimmungen sind erfasst.Was erfasst ist →

Auf einen Satz

Der Bundestag stimmte am 11. Juni 2026 mit 382 Ja-Stimmen gegen 192 Nein-Stimmen bei zwei Enthaltungen der Fortsetzung des deutschen KFOR-Einsatzes mit bis zu 400 Soldatinnen und Soldaten zu; das Mandat bleibt grundsätzlich zeitlich unbegrenzt und wird dem Parlament jährlich vorgelegt.

Worum es geht

KFOR ist die von der NATO geführte internationale Sicherheitspräsenz im Kosovo. Die Bundeswehr soll zur Sicherheit beitragen und unter anderem internationale humanitäre Hilfe sowie den Aufbau demokratisch kontrollierter Sicherheitsstrukturen unterstützen. Ein Ja zur Ausschussempfehlung bedeutete Zustimmung zur weiteren deutschen Beteiligung.

Zur Vorlage

Vorlage eingebracht von
Bundesregierung
Drucksache
BT-Drs. 21/5513
Datum
11. Juni 2026
Verfahrensstand
Abgeschlossen
Ergebnis der Abstimmung
Angenommen
Wahlperiode
21. Wahlperiode

Abstimmung vom 11. Juni 2026

Namentliche Abstimmung
AbstimmungsgegenstandAntrag
Einbringer
Bundesregierung
Amtliches Dokument
BT-Drs. 21/5513 ↗

Amtliches Ergebnis

Ja
382
Nein
192
Enthaltung
2
Nicht abgegeben
54

Nach Fraktion

  • CDU/CSU208 Mitglieder in dieser AbstimmungJa 199Nein 0Enthaltung 0Nicht abgegeben 9
  • AfD150 Mitglieder in dieser AbstimmungJa 0Nein 136Enthaltung 0Nicht abgegeben 14
  • SPD120 Mitglieder in dieser AbstimmungJa 108Nein 1Enthaltung 0Nicht abgegeben 11
  • BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN85 Mitglieder in dieser AbstimmungJa 75Nein 0Enthaltung 1Nicht abgegeben 9
  • Die Linke64 Mitglieder in dieser AbstimmungJa 0Nein 54Enthaltung 1Nicht abgegeben 9
  • fraktionslos3 Mitglieder in dieser AbstimmungJa 0Nein 1Enthaltung 0Nicht abgegeben 2

Einzelstimmen

Abweichungen vom Fraktionsvotum

Schwelle: mindestens zwei Drittel (≥ 66,7 %) der abgegebenen Stimmen
  • SPD1 von 120 Abgeordneten der Fraktion stimmte anders.
    Stimmen: 109 abgegeben (108 Mehrheit ja · 1 anders) · 11 nicht abgegeben
  • BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN1 von 85 Abgeordneten der Fraktion stimmte anders.
    Stimmen: 76 abgegeben (75 Mehrheit ja · 1 anders) · 9 nicht abgegeben
  • Die Linke1 von 64 Abgeordneten der Fraktion stimmte anders.
    Stimmen: 55 abgegeben (54 Mehrheit nein · 1 anders) · 9 nicht abgegeben

Nicht abgegeben heißt nur: keine Stimme erfasst – nicht unbedingt abwesend (z. B. Krankheit, Mutterschutz, Sitzungsleitung). Nicht abgegebene Stimmen zählen nicht als Abweichung.

So liest man diese Abstimmung →

Was heute gilt – was sich ändert

Heute

Die deutsche Beteiligung besteht seit 1999; der Bundestag hat ihre Fortsetzung zuletzt am 11. Juni 2026 gebilligt. Das Mandat ist grundsätzlich zeitlich unbegrenzt, bei jährlicher Befassung des Bundestags.

Gefordert

Die Beteiligung weiterführen, solange die genannten rechtlichen Grundlagen bestehen und KFOR auf Grundlage der maßgeblichen UN-Resolution fortgesetzt wird. [8][11]

Gefordert

Bis zu 400 Soldatinnen und Soldaten einsetzen; bei Verlegungen, Kontingentwechseln und in Notsituationen darf die Obergrenze vorübergehend überschritten werden. [8]

Gefordert

Zu einem sicheren Umfeld und zur öffentlichen Sicherheit und Ordnung beitragen sowie internationale humanitäre Hilfe und die internationale zivile Präsenz unterstützen und koordinieren. [8]

Gefordert

Die Entwicklung eines demokratischen und friedlichen Kosovo unterstützen, in dem verschiedene Bevölkerungsgruppen zusammenleben, und beim Aufbau demokratisch kontrollierter Sicherheitsorganisationen beraten. [8]

Gefordert

Den Einsatz im Staatsgebiet des Kosovo und im darüber liegenden Luftraum ermöglichen; angrenzende Räume dürfen mit Zustimmung des jeweiligen Staates für Zugang und Versorgung genutzt werden. [8]

Gefordert

Die einsatzbedingten Zusatzausgaben aus dem Verteidigungshaushalt finanzieren; die Bundesregierung veranschlagte für den Zeitraum 1. Juli 2026 bis 30. Juni 2027 rund 35,7 Millionen Euro. Der Haushaltsausschuss hielt den Antrag für mit der Haushaltslage vereinbar. [8][10]

Wen es betrifft

Unmittelbar betrifft der Beschluss die eingesetzten Bundeswehrangehörigen und die Bevölkerung im Kosovo. Weitere Adressaten des Auftrags sind internationale Hilfsorganisationen, die zivile internationale Präsenz und die kosovarischen Sicherheitsorganisationen. Die 400 Personen sind die reguläre Personalobergrenze, nicht eine durch die Abstimmung festgestellte tatsächliche Einsatzstärke. [8]

Rechtliche Wirkung

Zustimmung des Bundestages zu einem bewaffneten Auslandseinsatz der Bundeswehr; ohne diese Zustimmung darf der Einsatz nicht stattfinden. Der Bundestag hat die Fortsetzung eines bewaffneten Auslandseinsatzes genehmigt. Die Zustimmung erfolgte über die Beschlussempfehlung des Auswärtigen Ausschusses, den Regierungsantrag anzunehmen. Es handelt sich um eine Einsatzgenehmigung, nicht um ein neues Gesetz oder lediglich eine politische Aufforderung. Der Beschlussteil des Regierungsantrags sieht keine automatische Beendigung am 30. Juni 2027 vor. Er erlaubt die Beteiligung grundsätzlich zeitlich unbegrenzt unter den genannten Bedingungen. Die Bundesregierung hat zugesichert, den Bundestag alle zwölf Monate mit der Fortdauer zu befassen. Militärische Gewalt ist nur im Rahmen des Völkerrechts und der Einsatzregeln zulässig; der Bundestag kann seine Zustimmung widerrufen. Ein Gesetzgebungsverfahren mit Bundesrat und Gesetzesverkündung ist für diesen Zustimmungsbeschluss nicht vorgesehen. [3][7][8][9][12]

Anlass

Die Bundesregierung verwies auf die fortbestehenden Spannungen zwischen Kosovo und Serbien sowie auf das Risiko erneuter Eskalationen im Norden des Kosovo. Trotz einer zwischenzeitlichen Stabilisierung hielt sie KFOR weiterhin für notwendig; langfristig soll die Sicherheitsverantwortung an kosovarische Einrichtungen übergehen. Diese Lagebeschreibung stammt aus dem Regierungsantrag vom April 2026.

Wie die Fraktionen ihr Votum begründet haben

Aussprache am 11. Juni 2026 · Protokoll ↗

CDU/CSU·Jens Lehmann (Redner für die Fraktion)·Er unterstützt KFOR als Sicherheitsgaranten, bis die Beziehungen zwischen Kosovo und Serbien dauerhaft normalisiert sind.
„Fortschritte können aber nur durch politischen Dialog erreicht werden. Deshalb unterstützen wir den von der Europäischen Union geführten Normalisierungsprozess mit Nachdruck. Bis dieses Ziel erreicht ist, bleibt KFOR jedoch der entscheidende Sicherheitsgarant vor Ort.“
PlPr 21/83, S. 10069[1]
SPD·Macit Karaahmetoğlu (Redner für die Fraktion)·Er unterstützt die Fortsetzung wegen der fortbestehenden Spannungen und der Bedeutung regionaler Stabilität für Deutschland und Europa.
„Gerade in der aktuellen politischen Lage wäre ein Rückzug ein fatales Zeichen, das falsche Zeichen. Stabilität im Westbalkan liegt im Interesse Europas und Deutschlands. Deshalb ist die Verlängerung des KFOR-Mandats richtig und notwendig.“
PlPr 21/83, S. 10067[1]
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN·Boris Mijatović (Redner für die Fraktion)·Er unterstützt die deutsche Präsenz zur Stabilisierung der Region und zur Grenzsicherung.
„Deswegen finde ich es wichtig, dass wir von Deutschland aus uns an dieser Mission beteiligen, dass wir mit der Bundeswehr dort präsent sind und zur Stabilität in der Region beitragen, und zwar nicht nur bei inneren Angelegenheiten, bei Demonstrationen oder Ähnlichem, sondern vor allen Dingen auch bei der Grenzsicherung. Wenn Sie sich die Grenze des Kosovo zu Serbien anschauen, dann erkennen Sie: Das Grenzgebiet ist wie ein Dreieck. Sie haben da viele Wälder, und gerade die Schmuggelrouten sind ein Riesenproblem.“
PlPr 21/83, S. 10068[1]
Die Linke·Cansu Özdemir (Rednerin für die Fraktion)·Sie lehnt die Verlängerung ab und fordert einen zivilen Friedensprozess sowie eine stärkere Unterstützung der Zivilgesellschaft.
„Statt immer neue militärische Mandate zu beschließen, sollte die Bundesregierung endlich diese zivilgesellschaftlichen Kräfte stärken, und zwar durch einen multilateralen Friedensprozess für den Westbalkan unter Einbeziehung der OSZE, der Vereinten Nationen und zivilgesellschaftlicher Akteure sowie durch konkrete Schritte zur Normalisierung der Beziehungen zwischen Kosovo und Serbien auf Grundlage von Völkerrecht, Minderheitenschutz und demokratischen Rechten. Meine Damen und Herren, wer Frieden dauerhaft sichern will, muss in Verständigung investieren statt in die Verstetigung militärischer Einsätze. Deshalb lehnen wir die Verlängerung des KFOR-Mandates ab.“
PlPr 21/83, S. 10069[1]
AfD·Kurt Kleinschmidt (Redner für die Fraktion)·Er lehnt die Verlängerung ab und fordert, die eingesetzten Kräfte für die Verteidigung Deutschlands zurückzuholen.
„Meine Damen und Herren, die Vereinigten Staaten haben angekündigt, ihre Präsenz in Europa deutlich zu reduzieren. In dieser Lage ist es unverantwortlich, unsere ohnehin schon überlastete Bundeswehr weiterhin in überflüssigen Auslandseinsätzen zu binden. […] Wir als Alternative für Deutschland lehnen die Verlängerung des KFOR-Mandats ab. Es wird Zeit, unsere Soldaten zurückzuholen zur Verteidigung unseres deutschen Vaterlandes.“
PlPr 21/83, S. 10070[1]

Wie es weitergeht

Die Beteiligung wird unter den beschlossenen Bedingungen fortgesetzt. Die Bundesregierung muss den Bundestag regelmäßig über den Einsatz informieren und entsprechend ihrer Zusicherung nach zwölf Monaten erneut mit dessen Fortdauer befassen. Der Zeitraum bis 30. Juni 2027 dient im Antrag der Berechnung der Zusatzausgaben; er ist dort keine automatische Ablaufgrenze des Mandats.

Begriffe

KFOR
Die von der NATO geführte internationale Sicherheitspräsenz im Kosovo auf Grundlage der UN-Sicherheitsratsresolution 1244 von 1999.
Kosovo Security Force
Die kosovarische Sicherheitsorganisation, deren Entwicklung zu einer demokratisch kontrollierten und verschiedene Bevölkerungsgruppen einbeziehenden Organisation unterstützt werden soll.
Personalobergrenze
Die regulär höchstens zulässige Zahl deutscher Soldatinnen und Soldaten im Einsatz, mit den im Mandat genannten Ausnahmen.
Normalisierungsdialog
Der von der Europäischen Union unterstützte politische Dialog zur dauerhaften Regelung der Beziehungen zwischen Kosovo und Serbien.

Quellen (12)

  1. [1]
    Antrag „Bildung bezahlbar machen – BAföG-Reform jetzt“ ↗

    Deutscher Bundestag · Abgerufen am 11.10.2026

  2. [2]
  3. [3]
    Plenarprotokoll 21/83 vom 11.06.2026, Deutscher Bundestag ↗

    Deutscher Bundestag · Abgerufen am 11.10.2026

  4. [4]
    Plenarprotokoll 21/84 vom 12.06.2026, Deutscher Bundestag ↗

    Deutscher Bundestag · Abgerufen am 11.10.2026

  5. [5]
    Regierungsantrag zur Fortsetzung von EUFOR ALTHEA ↗

    Deutscher Bundestag · Abgerufen am 11.10.2026

  6. [6]
  7. [7]
    Parlamentsbeteiligungsgesetz ↗

    Bundesministerium der Justiz / Bundesamt für Justiz · Abgerufen am 11.10.2026

  8. [8]
    Regierungsantrag zur Fortsetzung von KFOR ↗

    Deutscher Bundestag · Abgerufen am 11.10.2026

  9. [9]
  10. [10]
    Bericht zur Finanzierbarkeit von KFOR ↗

    Deutscher Bundestag · Abgerufen am 11.10.2026

  11. [11]
    „KFOR (Kosovo)“ ↗

    Deutscher Bundestag · Abgerufen am 11.10.2026

  12. [12]
    Beschlussempfehlung und Bericht zur Fortsetzung von KFOR ↗

    Deutscher Bundestag · Abgerufen am 11.10.2026

Belege