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PolivisDer quellenbasierte Gesetzes-Kompass

Antrag

Ukraine zusätzlich militärisch und humanitär unterstützen

Nicht alle Abstimmungen sind erfasst.Was erfasst ist →

Auf einen Satz

Der Bundestag lehnte den Antrag mit 79 Ja-Stimmen, 510 Nein-Stimmen und einer Enthaltung ab; die geforderte zusätzliche Unterstützung erhielt damit keinen parlamentarischen Auftrag.

Worum es geht

Die Grünen wollten zusätzliche militärische und humanitäre Hilfe für die Ukraine. Dazu gehörten Waffenlieferungen, Luftverteidigung und Unterstützung für die Versorgung der Bevölkerung.

Zur Vorlage

Vorlage eingebracht von
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Drucksache
BT-Drs. 21/6912
Datum
8. Juli 2026
Verfahrensstand
Abgeschlossen
Ergebnis der Abstimmung
Abgelehnt
Wahlperiode
21. Wahlperiode

Abstimmung vom 8. Juli 2026

Namentliche Abstimmung
AbstimmungsgegenstandAntrag
Einbringer
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Amtliches Dokument
BT-Drs. 21/6912 ↗

Amtliches Ergebnis

Ja
79
Nein
510
Enthaltung
1
Nicht abgegeben
40

Nach Fraktion

  • CDU/CSU208 Mitglieder in dieser AbstimmungJa 0Nein 198Enthaltung 0Nicht abgegeben 10
  • AfD150 Mitglieder in dieser AbstimmungJa 0Nein 140Enthaltung 0Nicht abgegeben 10
  • SPD120 Mitglieder in dieser AbstimmungJa 0Nein 115Enthaltung 0Nicht abgegeben 5
  • BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN85 Mitglieder in dieser AbstimmungJa 78Nein 0Enthaltung 1Nicht abgegeben 6
  • Die Linke64 Mitglieder in dieser AbstimmungJa 0Nein 55Enthaltung 0Nicht abgegeben 9
  • fraktionslos3 Mitglieder in dieser AbstimmungJa 1Nein 2Enthaltung 0Nicht abgegeben 0

Einzelstimmen

Abweichungen vom Fraktionsvotum

Schwelle: mindestens zwei Drittel (≥ 66,7 %) der abgegebenen Stimmen
  • BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN1 von 85 Abgeordneten der Fraktion stimmte anders.
    Stimmen: 79 abgegeben (78 Mehrheit ja · 1 anders) · 6 nicht abgegeben

Nicht abgegeben heißt nur: keine Stimme erfasst – nicht unbedingt abwesend (z. B. Krankheit, Mutterschutz, Sitzungsleitung). Nicht abgegebene Stimmen zählen nicht als Abweichung.

So liest man diese Abstimmung →

Was heute gilt – was sich ändert

Gefordert

Taurus-Marschflugkörper aus Bundeswehrbeständen liefern und ukrainische Angriffe auf militärische Ziele weit innerhalb Russlands unterstützen. [1]

Gefordert

Drohnen- und Waffenproduktion sowie Patriot-Abfangmunition ausbauen; Partner für weitere Lieferungen gewinnen und gemeinsame Luftverteidigung erörtern. [1]

Gefordert

Mehr humanitäre Hilfe, Energienothilfe und psychosoziale Unterstützung bereitstellen sowie Krankenhäuser und Transportwege unterstützen. [1]

Gefordert

Energieanlagen schützen, dezentrale Versorgung und Investitionen fördern; Bildungs-, Wissenschafts- und Kultureinrichtungen sowie kommunalen Wiederaufbau unterstützen. [1]

Gefordert

Russland-Sanktionen verschärfen, Einfuhren von Energieprodukten, Agrarprodukten, Holz und Düngemitteln verbieten; Schattenflotte bekämpfen und Hilfen vor Kürzungen und privaten Altschuldenzahlungen schützen. [1]

Gefordert

Russische Regimekritiker in Deutschland besser schützen; ukrainischen Geflüchteten längerfristige Aufenthaltssicherheit und wieder Zugang zu freiwilligen Sprachkursen geben. [1]

Wen es betrifft

Betroffen sind ukrainische Zivilisten und Streitkräfte, Geflüchtete und russische Regimekritiker in Deutschland sowie beteiligte Kommunen und Unternehmen. [1]

Rechtliche Wirkung

Der Antrag ist erledigt; es ändert sich nichts. Es war ein Antrag mit politischen Forderungen, kein Gesetz; selbst seine Annahme hätte die Bundesregierung rechtlich nicht zur Umsetzung verpflichtet. Die Abstimmung betraf den Antrag selbst: Ja bedeutete Zustimmung zu seinen Forderungen. Die Ablehnung schafft keine neuen gesetzlichen Rechte oder Pflichten. [3][5]

Anlass

Die Grünen begründeten den Antrag mit russischen Luftangriffen auf zivile Ziele und dem Bedarf an zusätzlicher Luftverteidigung sowie Hilfe für die Energieversorgung.

Wie die Fraktionen ihr Votum begründet haben

Aussprache am 8. Juli 2026 · Protokoll ↗

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN·Robin Wagener (Fraktionsredner)·Wagener fordert zusätzliche Abfangmunition und Waffen gegen russische militärische Ziele.
„Liebe Kolleginnen und Kollegen, in der Nacht zum Montag hat Russland erneut Hunderte Drohnen, Marschflugkörper, Raketen gegen die Ukraine eingesetzt. Keine – und ich betone: keine – der 29 ballistischen Raketen konnte abgefangen werden, und zwar nicht etwa, weil es der Ukraine am Verteidigungswillen fehlt, sondern weil es an der Abfangmunition fehlt. Diese Munitionsknappheit kommt nicht überraschend.“
PlPr 21/88, S. 10810[1]
CDU/CSU·Tobias Winkler (Fraktionsredner)·Winkler hält viele Forderungen für bereits aufgegriffen und widerspricht dem behaupteten deutschen Nachholbedarf.
„Verehrte Kolleginnen und Kollegen, der Antrag enthält viele berechtigte Anliegen. Was wir jedoch nicht teilen, ist das Bild, das er zeichnet. Er erweckt den Eindruck, Deutschland habe erheblichen Nachholbedarf. Das Gegenteil ist der Fall.“
PlPr 21/88, S. 10816–10817[1]
AfD·Markus Frohnmaier (Fraktionsredner)·Frohnmaier lehnt zusätzliche Hilfen ab und verweist zur Begründung auf die Anklage des Generalbundesanwalts zur Sprengung der Nord-Stream-Pipelines.
„Sie stammen aus der Anklageschrift des Generalbundesanwalts, der am 30. Juni vor dem Oberlandesgericht Hamburg Anklage erhoben hat. Sieben Worte, die diese Debatte, die wir heute führen, beenden müssten, bevor sie begonnen hat, sieben Worte, die diese unverschämte Forderung der Grünen eigentlich hätten im Keim ersticken müssen. Dass Sie nach dem auch noch auf die Idee kommen, immer mehr Milliarden Euro dorthin zu überweisen, ist eine bodenlose Frechheit.“
PlPr 21/88, S. 10811–10812[1]
SPD·Johannes Schraps (Fraktionsredner)·Schraps verweist auf laufende Hilfen und fordert Produktionsausbau angesichts begrenzter eigener Bestände.
„Genau diesen Weg geht die Bundesregierung. Deutschland gehört zu den wichtigsten Unterstützern der Ukraine. Wir liefern Systeme zur Luftverteidigung, Munition, Drohnenabwehrsysteme, Artillerie, gepanzerte Fahrzeuge und Unterstützung für die Energieinfrastruktur. Wir helfen beim Schutz kritischer Infrastruktur, bei der Aufnahme ukrainischer Geflüchteter, beim Wiederaufbau, bei der medizinischen Versorgung.“
PlPr 21/88, S. 10818[1]
Die Linke·Lea Reisner (Fraktionsrednerin)·Reisner lehnt weitere Offensivwaffen ab und fordert diplomatische Bemühungen um Verhandlungen.
„Frieden fällt nicht vom Himmel, wenn beide Seiten zufällig gerade dazu bereit sind. Frieden ist Arbeit, harte Arbeit. Und die Arbeit dieser Regierung lässt sich auch in dieser Hinsicht nur als Arbeitsverweigerung bezeichnen.“
PlPr 21/88, S. 10815–10816[1]

Wie es weitergeht

Der Antrag ist abgelehnt. Aus ihm folgt kein weiterer Umsetzungsschritt. Die Abstimmung beendet bestehende Ukraine-Hilfen nicht.

Begriffe

Antrag
Eine Vorlage, mit der Abgeordnete einen Beschluss des Bundestages verlangen; hier eine politische Aufforderung an die Bundesregierung.
Taurus
Ein weitreichender Marschflugkörper, dessen Lieferung an die Ukraine der Antrag fordert.
Patriot-Abfangmunition
Munition für die Luftverteidigung; der Antrag verlangt zusätzliche Produktion der Variante PAC-2.

Quellen (5)

  1. [1]
  2. [2]
  3. [3]
  4. [4]
  5. [5]
    „Was sind Anträge?“ ↗

    Deutscher Bundestag · Abgerufen am 11.10.2026

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