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Der quellenbasierte Gesetzes-Kompass

Antrag

Visa für afghanische Staatsangehörige mit Aufnahmezusage erteilen

Nicht alle Abstimmungen sind erfasst.Was erfasst ist →

Auf einen Satz

Der Bundestag lehnte am 3. Dezember 2025 den Antrag der Grünen mit 130 Ja-Stimmen, 441 Nein-Stimmen und keiner Enthaltung ab; damit wurde die Bundesregierung nicht zusätzlich vom Bundestag aufgefordert, die verlangten Visa und Ausreisen zu organisieren.

Worum es geht

Afghanische Staatsangehörige hatten über verschiedene deutsche Aufnahmeprogramme eine Zusage erhalten, nach Deutschland kommen zu können. Die Grünen verlangten, diese Zusagen umzusetzen und die Einreise der betroffenen Menschen und ihrer Familien zu ermöglichen. Der Antrag betraf außerdem Menschen, die bereits nach Afghanistan abgeschoben worden waren, sowie die Zusammenarbeit mit Pakistan.

Zur Vorlage

Vorlage eingebracht von
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Drucksache
BT-Drs. 21/3031
Datum
3. Dezember 2025
Verfahrensstand
Abgeschlossen
Ergebnis der Abstimmung
Abgelehnt
Wahlperiode
21. Wahlperiode

Abstimmung vom 3. Dezember 2025

Namentliche Abstimmung
AbstimmungsgegenstandAntrag
Einbringer
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Amtliches Dokument
BT-Drs. 21/3031 ↗

Amtliches Ergebnis

Ja
130
Nein
441
Enthaltung
0
Nicht abgegeben
59

Nach Fraktion

  • CDU/CSU208 Mitglieder in dieser AbstimmungJa 0Nein 195Enthaltung 0Nicht abgegeben 13
  • AfD151 Mitglieder in dieser AbstimmungJa 0Nein 136Enthaltung 0Nicht abgegeben 15
  • SPD120 Mitglieder in dieser AbstimmungJa 0Nein 110Enthaltung 0Nicht abgegeben 10
  • BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN85 Mitglieder in dieser AbstimmungJa 76Nein 0Enthaltung 0Nicht abgegeben 9
  • Die Linke64 Mitglieder in dieser AbstimmungJa 53Nein 0Enthaltung 0Nicht abgegeben 11
  • fraktionslos2 Mitglieder in dieser AbstimmungJa 1Nein 0Enthaltung 0Nicht abgegeben 1

Einzelstimmen

Abweichungen vom Fraktionsvotum

Schwelle: mindestens zwei Drittel (≥ 66,7 %) der abgegebenen Stimmen

Alle Fraktionen mit eindeutiger Mehrheit stimmten geschlossen ab. Es gab keine abweichenden Stimmen innerhalb der Fraktionen.

Nicht abgegeben heißt nur: keine Stimme erfasst – nicht unbedingt abwesend (z. B. Krankheit, Mutterschutz, Sitzungsleitung). Nicht abgegebene Stimmen zählen nicht als Abweichung.

Abstimmung herunterladen

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So liest man diese Abstimmung →

Was heute gilt – was sich ändert

Heute

Eine Aufnahmezusage führt nicht automatisch zur Einreise. Die zuständigen Behörden prüfen im Aufnahme- und Visumverfahren, ob die Voraussetzungen erfüllt sind. Dazu gehören auch Sicherheitsprüfungen.

Gefordert

Alle bisherigen Aufnahmezusagen aus dem Bundesaufnahmeprogramm Afghanistan, der Menschenrechtsliste, dem Überbrückungsprogramm und dem Ortskräfteverfahren sollten umgesetzt werden. Menschen mit Aufnahmezusage und abgeschlossener Sicherheitsprüfung sowie ihre Familien sollten umgehend Visa erhalten und nach Deutschland gebracht werden. [1][6]

Gefordert

Afghanische Staatsangehörige mit deutscher Aufnahmezusage, die bereits nach Afghanistan abgeschoben worden waren, sollten nach Pakistan zurückgebracht werden. Dort sollten ihre Aufnahmeverfahren abgeschlossen und anschließend ihre Ausreisen nach Deutschland organisiert werden. [1]

Gefordert

Die Betroffenen sollten erfahren, ob ihre Unterbringung in Pakistan ab Januar 2026 weiterbesteht, ob ihre Verfahren fortgesetzt werden und ob sie ein Visum erhalten können. Falls keine Aufnahme in Deutschland vorgesehen war, sollte die Bundesregierung mögliche Alternativen mitteilen. [1]

Gefordert

Die Bundesregierung sollte mit Pakistan über eine Verlängerung der damaligen Bearbeitungs- und Ausreisefrist über den 31. Dezember 2025 hinaus verhandeln. [1]

Gefordert

Der Bundestag sollte die Verwendung von Haushaltsmitteln durch das Bundesinnenministerium ausdrücklich rügen. Die Grünen beanstandeten, dass aus einem Haushaltstitel für humanitäre Aufnahme Unterstützung angeboten worden sei, wenn Betroffene auf ihre Aufnahmezusage verzichteten. Die behauptete zweckwidrige Mittelverwendung war eine Bewertung der Antragsteller. [1]

Wen es betrifft

Der Antrag betraf vor allem afghanische Staatsangehörige, denen Deutschland bereits eine Aufnahme in Aussicht gestellt oder zugesagt hatte. Dazu gehörten ehemalige Beschäftigte deutscher Einrichtungen in Afghanistan, besonders gefährdete Personen sowie ihre Familienangehörigen. Auch Menschen mit Aufnahmezusage, die sich wieder in Afghanistan befanden, waren ausdrücklich angesprochen. Amtliche Größenordnung mit Stichtag: Nach Angaben der Bundesregierung befanden sich am 7. April 2026 noch 873 Personen aus den afghanischen Aufnahmeverfahren in Pakistan und 181 Personen in Afghanistan in der Unterstützung der Bundesregierung. Diese Zahlen umfassen auch Personen, deren Aufnahmeerklärungen bereits aufgehoben worden waren. Sie sind deshalb nicht mit der Zahl der noch gültigen Aufnahmezusagen gleichzusetzen. [1][6]

Rechtliche Wirkung

Der Antrag ist erledigt; es ändert sich nichts. Es handelte sich um einen Antrag, nicht um ein Gesetz. Ein Ja hätte bedeutet, die politischen Aufforderungen und die vorgesehene Rüge gegenüber dem Bundesinnenministerium zu unterstützen. Die Bundesregierung hätte dadurch jedoch nicht automatisch für jede betroffene Person eine gesetzliche Pflicht zur sofortigen Visumerteilung erhalten. Der Bundestag stimmte am 3. Dezember 2025 direkt über den Antrag 21/3031 ab und lehnte ihn ab. Eine Beschlussempfehlung des Innenausschusses zu diesem Antrag war nicht Gegenstand der Abstimmung. Die gleichzeitig behandelte Beschlussempfehlung 21/2159 bezog sich auf den älteren Grünen-Antrag 21/1542, der ebenfalls abgelehnt wurde. Durch die Ablehnung wurde kein Gesetz geändert. Bestehende Aufnahme- und Visumverfahren sowie mögliche Ansprüche aus bereits erteilten Zusagen wurden damit nicht automatisch aufgehoben. Ein Bundesratsverfahren, eine Verkündung und ein Inkrafttreten waren für diesen Antrag nicht vorgesehen. [1][3][4][6]

Anlass

Zum Zeitpunkt des Antrags warteten nach Darstellung der Grünen weiterhin afghanische Staatsangehörige mit deutscher Aufnahmezusage in Pakistan auf den Abschluss ihrer Verfahren oder auf ein Visum. Die Antragsteller verwiesen auf eine bis Ende Dezember 2025 gesetzte Frist der pakistanischen Regierung und die Gefahr weiterer Abschiebungen nach Afghanistan. Sie kritisierten außerdem, dass die Bundesregierung die rechtliche Bedeutung verschiedener Aufnahmezusagen unterschiedlich bewerte und dass Betroffene ihre Ansprüche teilweise vor Gericht durchsetzen müssten.

Wie die Fraktionen ihr Votum begründet haben

Aussprache am 3. Dezember 2025

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN·Schahina Gambir (Abgeordnete, Rednerin der Fraktion)·Deutschland solle Menschen mit Aufnahmezusage unabhängig vom jeweiligen Aufnahmeprogramm die Ausreise ermöglichen.
„Zarghuna und ihre Töchter sind endlich sicher in Deutschland angekommen. Das muss für alle Schutzsuchenden Realität werden! Setzen Sie sich endlich für die Ausreise aller Menschen mit Aufnahmezusage ein, unabhängig vom Aufnahmeprogramm!“
PlPr 21/46 S. 5343; Redevideo[7]
CDU/CSU·Christina Stumpp (Abgeordnete, Rednerin der Fraktion)·Rechtlich verbindliche Zusagen für sicherheitsüberprüfte Personen sollten eingehalten, darüber hinausgehende freiwillige Aufnahmen aber beendet werden.
„Wie verantwortungsvolle Politik aussieht, zeigt Bundesinnenminister Dobrindt: Rechtsverbindliche Zusagen von sicherheitsüberprüften Personen werden eingehalten. Freiwillige Aufnahmen wird es darüber hinaus nicht mehr geben. Das passt Ihnen, liebe Grünen, nicht, das passt Ihnen von der AfD nicht, und das ist für mich ein guter Indikator: Es ist genau der richtige Weg.“
PlPr 21/46 S. 5349; Redevideo[8]
AfD·Markus Frohnmaier (Abgeordneter, Redner der Fraktion)·Er stellte die staatliche Entscheidung über die Einreise in den Mittelpunkt und lehnte die geforderte Fortsetzung der Aufnahmen ab.
„Deutschland hat als souveräner Staat das Recht, zu entscheiden, wer über unsere Staatsgrenzen kommt. […] Wer leugnet, dass wir an den Grenzen entscheiden dürfen, wer ins Land kommt, der leugnet den Staat selbst.“
PlPr 21/46 S. 5346; Redevideo[9]
SPD·Hakan Demir (Abgeordneter, Redner der Fraktion)·Deutschland solle gegebene Aufnahmeversprechen einhalten; seine Rede erläuterte damit die Haltung zu den Zusagen, aber nicht unmittelbar das spätere Nein zum Antrag.
„Deshalb sollten wir unser Versprechen einhalten.“
PlPr 21/46 S. 5348; Redevideo[10]
SPD·Adis Ahmetovic (gemeinsame schriftliche Erklärung mehrerer SPD-Abgeordneter)·Er hielt die Anträge wegen bereits erfolgter Aufnahmen und weiterer Bemühungen der Bundesregierung teilweise für überholt, verlangte aber weiterhin Lösungen für die Betroffenen.
„Dafür setzen wir uns im Zusammenspiel mit unseren Kabinettsmitgliedern und der Parteispitze weiterhin ein. Die Abstimmung über die Aufnahme gefährdeter Afghaninnen und Afghanen ist für mich und für uns keine einfache Entscheidung. Mit Blick auf die oben beschriebenen Fortschritte bei der Aufnahme und die Bemühungen der Bundesregierung, eine Lösung für alle Menschen in den Programmen zu finden, sind die Anträge von Bündnis 90/Die Grünen allerdings in Teilen überholt.“
PlPr 21/46 S. 5388–5389, Anlage 3, persönliche Erklärung[2]
Die Linke·Clara Bünger (Abgeordnete, Rednerin der Fraktion)·Sie unterstützte die Umsetzung der Aufnahmezusagen unabhängig vom jeweiligen Programm und kündigte die Zustimmung zum Antrag an.
„Natürlich werden wir diesem Antrag zustimmen; aber die Grünen haben es versäumt, die Menschen während ihrer eigenen Regierungszeit zu evakuieren. Es ist zwar schön, dass Sie jetzt diesen Antrag stellen; aber dennoch hätte das viel früher passieren können. Wir stimmen diesem Antrag selbstverständlich zu.“
PlPr 21/46 S. 5348; Redevideo[11]

Wie es weitergeht

Mit der Ablehnung am 3. Dezember 2025 war der Antrag parlamentarisch erledigt. Die Bundesregierung erhielt aus dieser Abstimmung keinen neuen Auftrag zur Umsetzung der darin enthaltenen Forderungen. Die Verfahren einzelner Betroffener liefen unabhängig davon weiter. In ihrer Antwort vom 5. Mai 2026 erklärte die Bundesregierung, dass die Dauer der Ausreiseverfahren vom Einzelfall und von erfolgreich abgeschlossenen Prüfschritten abhänge. Sie berichtete außerdem über weiter bestehende Kontakte mit der pakistanischen Regierung und über laufende Gerichtsverfahren. Ein verbindlicher Termin, bis zu dem sämtliche noch offenen Aufnahmeverfahren abgeschlossen sein sollten, ging aus dieser Regierungsantwort nicht hervor.

Begriffe

Aufnahmezusage
Eine Erklärung deutscher Behörden, mit der einer Person die Aufnahme in Deutschland zugesagt oder in Aussicht gestellt wird; ihre rechtliche Wirkung hängt vom jeweiligen Aufnahmeverfahren ab.
Visum
Eine behördliche Erlaubnis, die für die Einreise nach Deutschland benötigt wird und vor der Einreise geprüft und ausgestellt werden muss.
Ortskräfteverfahren
Ein Aufnahmeverfahren für Menschen, die in Afghanistan für deutsche Einrichtungen tätig waren, und für ihre berücksichtigten Familienangehörigen.
Sicherheitsprüfung
Eine behördliche Prüfung, mit der vor einer Aufnahme mögliche Sicherheitsbedenken untersucht werden.
Beschlussempfehlung
Ein Vorschlag eines Bundestagsausschusses, wie das Parlament über eine Vorlage entscheiden soll.
Namentliche Abstimmung
Eine Abstimmung, bei der festgehalten wird, wie die einzelnen Abgeordneten abgestimmt haben.

Quellen (12)

  1. [1]
  2. [2]
    Plenarprotokoll 21/46, 46. Sitzung vom 3. Dezember 2025 ↗

    Deutscher Bundestag · Abgerufen am 11.10.2026

  3. [3]
  4. [4]
  5. [5]
    Namentliche Abstimmung zum Antrag 21/3031 vom 3. Dezember 2025 ↗

    Deutscher Bundestag · Abgerufen am 11.10.2026

  6. [6]
  7. [7]
    Rede von Schahina Gambir, 46. Sitzung, TOP 4, 3. Dezember 2025 ↗

    Deutscher Bundestag · Abgerufen am 11.10.2026

  8. [8]
    Rede von Christina Stumpp, 46. Sitzung, TOP 4, 3. Dezember 2025 ↗

    Deutscher Bundestag · Abgerufen am 11.10.2026

  9. [9]
    Rede von Markus Frohnmaier, 46. Sitzung, TOP 4, 3. Dezember 2025 ↗

    Deutscher Bundestag · Abgerufen am 11.10.2026

  10. [10]
    Rede von Hakan Demir, 46. Sitzung, TOP 4, 3. Dezember 2025 ↗

    Deutscher Bundestag · Abgerufen am 11.10.2026

  11. [11]
    Rede von Clara Bünger, 46. Sitzung, TOP 4, 3. Dezember 2025 ↗

    Deutscher Bundestag · Abgerufen am 11.10.2026

  12. [12]
    Plenarprotokoll 21/47, 47. Sitzung ↗

    Deutscher Bundestag · Abgerufen am 11.10.2026

Belege